• Sarah

Investing for the Greater Good? - Über soziale und nachhaltige Investments auf den Finanzmärkten

Finanzmärkte werden oft als eine ruchlose Ausprägung des Kapitalismus kritisiert. Als ein Markt, wo Gier auf hohe Investmentrenditen trifft und die persönliche Nutzenmaximierung als Antriebskraft des Finanzmechanismus angenommen wird. „What is good for Wall Street is bad for Main Street“, so eine bekannte amerikanische Redensart. Doch in Zeiten von Klimawandel und lauter werdenden Rufen nach mehr Nachhaltigkeit sowie sozialer Gerechtigkeit, etabliert sich eine neue Investmentsparte, die zunehmend mehr und mehr globale Aufmerksamkeit erlangt: soziale und nachhaltige Investments. Die Global Sustainable Investment Alliance hat diesem neuen Trend 2019 einen Wert von 12.3 Billionen Euro allein in Europa beigemessen – Tendenz steigend. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in ihrem „Green Deal“ einen Fokus auf nachhaltige Investments festgelegt und auch die neue Chefin der Europäischen Zentralbank möchte die europäische Geld- und Währungspolitik etwas grüner gestalten. Und beim alljährlichen Jour fixe für Vertreter*innen aus Wirtschaft und Politik, dem Weltwirtschaftsforum in Davos, steht dieses Mal das Thema Klimaschutz groß auf der Agenda. Doch was bedeutet es eigentlich, sozial und nachhaltig zu investieren?


Die Idee geht zurück auf ein Battle, das in den Wirtschaftswissenschaften als Shareholder- Value-Maximierung vs. Stakeholder-Wohl bekannt ist. Shareholder sind all jene, die Anteile an einem Unternehmen besitzen. Deren Wohl zu maximieren bedeutet für den Vorstand sowie das Management das übergeordnete Ziel, das Risiko für die Investor*innen zu minimieren und den Profit deren Investments zu maximieren. Der amerikanische Philosoph und Wirtschaftsprofessor R. Edward Freeman kritisiert diese Herangehensweise und betont die Wichtigkeit, all jene, die im Unternehmen involviert und von dessen Wirtschaftsweise betroffen sind, miteinzubeziehen. Dazu zählen u.a. Mitarbeiter*innen, Kund*innen, die Umwelt, die Shareholder*innen, Lieferant*innen, Handelspartner*innen und viele weitere. Im Finanzsektor gibt es mehrere Strategien und Ansätze, die den Aspekt des Stakeholder-Interesses miteinbeziehen und neben Rendite auch auf den gesellschaftlichen Mehrwert des Investments achten. Hier ein kurzer Überblick aus dem Begriffedschungel:


Das Magazin "enorm" könnt ihr euch gerne bei uns in der Bäckerei abholen.

Neben der traditionellen Finanzanalyse können bei einer Investitionsentscheidung zusätzlich noch die sogenannten ESG-Kriterien miteinbezogen werden. ESG leitet sich von den englischen Wörtern „environment“, „social“ und „governance“ ab und bewertet Unternehmen nach ihrer Umweltfreundlichkeit, ihrem gesellschaftlichen Mehrwert und ihrer Unternehmensführung.

Etwas enger gefasst sind „socially responsible investments“ (SRI). Diese unterscheiden sich von ESG-Investitionen insofern, als sie ganz gezielt Investitionen in Unternehmen, die der Umwelt oder der Gesellschaft schaden können, vermeiden („negative screening“).

Noch weiter geht das sogenannte„impact investing“: Hierbei wird nur in Unternehmen investiert, die mit ihrem Geschäftsmodell einen positiven gesellschaftlichen Einfluss haben („positive screening“), zum Beispiel Unternehmen, die saubere und fossilfreie Technologien entwickeln.


Hinsichtlich der Profitabilität dieser neuen Investmentstrategien scheiden sich derzeit allerdings noch die Geister. Kritiker*innen argumentieren vor allem, dass das Risiko bei nachhaltigen Investments oft höher sein kann. Außerdem stehen den Investor*innen aufgrund der festgelegten Kriterien nur eine limitierte Auswahl an potenziellen Investments zur Verfügung, während traditionelle Investor*innen nicht an ideologische Aspekte gebunden sind und somit das Beste aus beiden Welten genießen können. Verfechter*innen von sozialen und nachhaltigen Investments betonen vor allem die langfristige Profitabilität, die steigende Nachfrage und den zunehmenden gesellschaftlichen Druck hinsichtlich mehr Verantwortung in der Finanzbranche. Dieser Gruppe zufolge stellt besonders der Klimawandel langfristig ein Risiko für nicht nachhaltige Investitionen dar und somit braucht es eine klimaadjustierte Risikoberechnung auf den Finanzmärkten, auch bekannt als „climate value at risk“. Für die Advokat*innen von grünen Investitionen ist es nur eine Frage der Zeit, bis Geldanlagen in beispielsweise fossile Energieträger nicht mehr besonders profitabel sind.


Ob sich soziale und nachhaltige Investments nun wirklich als wirksame Wunderwaffe im Kampf gegen den Klimawandel und soziale Missstände eignen, wird sich wohl in den nächsten Jahren und Jahrzehnten herausstellen. Fakt ist auf jeden Fall, dass sich soziale und nachhaltige Investments zurzeit immer mehr von einem Nischenprodukt zu konventionellen Finanzprodukten transformieren. So hat beispielsweise Larry Fink, Chef der größten US-Fondsgesellschaft BlackRock und 2014 vom Fortune Magazin als „mächtigster Mann der Welt“ betitelt, vor kurzem in einem Statement angekündigt, zukünftig durch den Klimawandel entstehende finanzielle Risiken miteinzukalkulieren und verstärkt auf grüne Investitionen zu setzen. Auch viele Banken bieten mittlerweile umweltfreundliche Finanzprodukte an. Doch es ist auch Vorsicht geboten: nicht immer ist in nachhaltigen Anlagen auch wirklich hundertprozentige Nachhaltigkeit drin. Manche Institutionen setzen ihre eigenen Kriterien für nachhaltige Investitionen fest und proklamieren beispielsweise Fonds als nachhaltig, die nur einen gewissen Anteil an grünen Investitionen beinhalten und dessen restlicher Teil aus traditionellen Investitionen besteht – zu genauem Erkundigen wird hierbei somit geraten. :)