• Alex

Kann ich ökologische Nachhaltigkeit in meinem Startup messen?

Stoppt den Kilmawandel! Alle wollen helfen, wissen nicht wie und vor allem hat keine*r eine Ahnung, was er oder sie aktiv zur Klimakrise beiträgt. In meinem ersten Blogbeitrag versuche ich ein paar Messgrößen für Unternehmen und Privatpersonen einzuführen. Wünscht mir Glück.


Mit dem Jahreswechsel sind wir nicht nur in ein neues Jahr gestartet, sondern auch in ein neues Jahrzehnt. Das Topthema dieses Jahrzehnts wird wohl die Bewältigung, bzw. die Abwendung der Klimakrise sein. Nachdem im letzten Jahr Greta, die Klimaheldin mit ihrer Fridays for Future

Bewegung dafür sorgte, dass der Klimawandel und seine Folgen nicht mehr nur in Lehr- und Klassenzimmer, sondern auch rund um Fliesentische und furchtbaren Familienfeiern diskutiert wird, kommt niemand mehr an diesem Thema vorbei.


Mit ihrer sinnvollen Freitags-Nachmittags-Beschäftigung hat die FFF-Bewegung dann auch noch ganz heimlich die totgeglaubten Grünen bei der Wahl zum Europäischen Parlament als viertstärkste Fraktion in Brüssel und Straßburg einziehen lassen. Robert Habeck wurde im Windschatten der Bewegung zum Deutschen Polit-Shootingstar (Sorry Kevin) und Werner Kogler wird am 7.Jänner zum ersten grünen Vizekanzler Österreichs angelobt. Der Klimawandel ist also endlich in der Politik angekommen.


Gleichzeitig weisen Entscheidungsträger*innen völlig zurecht hin, dass die Politik allein mit dem Problem nicht fertig werden wird. Vor allem Unternehmen werden immer mehr zur Pflicht genommen. Börsennotierte Deutsche Unternehmen müssen seit 2012 verpflichtend einen sogenannten Nachhaltigkeitsbericht vorlegen, der von unabhängigen Vereinen in langer Tradition gerankt wird. Für alle anderen Unternehmen in Deutschland und Österreich gibt es eine solche Verpflichtung nicht. Gut möglich, dass die neue Kommission rund um Ursula von der Leyen solche Berichte verpflichtend für Europäische Unternehmen einführt.


Wie sehen diese Berichte nun aus? Die meisten von ihnen haben den Umfang eines Dostojewski-Romans und den wertlosen Inhalt einer Traube-Nuss-Schokolade.


Ich hab mich in der Recherche für diesen Blogbeitrag mal durch die Nachhaltigkeitsberichte von SAP https://www.sap.com/integrated-reports/2018/de.html und den der ÖBB (https://konzern.oebb.at/file_source/corporate/presse-site/Downloads/Publikationen/Nachhaltigkeit/Nachhaltigkeitsbericht-2017-18.pdf) gekämpft und versucht davon einige sinnvolle für kleine Unternehmen abzuleiten. Was nämlich klar ist: Auch im Klimaschutz muss man sich sinnvolle KPIs suchen und Benchmarks und Ziele definieren.


Was bei beiden Berichten sofort auffällt ist, dass die Unternehmen die soziale Nachhaltigkeit im Sinne einer integrativen CSR-Strategie bewerten und diese Kennzahlen relativ mehr Platz einnehmen als die ökologischen Kennzahlen. In diesem Blogpost wollen wir aber mal nur auf die ökologische Nachhaltigkeit eingehen.


Hier mal meine Erkenntnisse und ein paar Versuche für sinnvolle Kennzahlen:


Ganz klassisch sind natürlich die beiden Faktoren Wasser- und Stromverbrauch. Diese müsst ihr noch nicht mal messen, sondern werden sowieso jährlich abgelesen und verrechnet. Ihr könnt diese natürlich auch selbst in kürzeren Intervallen messen. Wenn ihr euch gerne mit anderen Startups vergleichen möchtet, dann müsstet ihr noch den absoluten Verbrauch durch die Mitarbeiter*innen-Anzahl teilen und vergesst nicht, dass dieses Vergleichen nur Sinn macht, wenn ihr in derselben Branche seid. Wenn ihr von euren Stromanbietern noch eine Übersicht bekommt, aus welchen Quellen sich euer Strommix zusammensetzt, dann geben euch die meisten auch die dafür emittierten Treibhausgase an.


Ein weiteres Thema ist der für eure Produkte oder Dienstleistungen angefallene Ressourceneinsatz und davon übriggebliebene Abfall. Hier ist die Messung schon ungleich aufwendiger, weil ihr dafür einen jeden Wareneingang tracken und ebenfalls euren Abfall in sinnvolle Messgrößen bringen müsstet. Wir bei SETup haben das so umgangen, dass wir eine Liste an Verstößen tracken. Wir haben uns zum Beispiel vorgenommen keine in Kunststoff verpackten Materialien zu besorgen. Natürlich ist das ganz oft nicht einzuhalten. Deswegen schreiben wir ein jedes „Vergehen“ auf und zählen die Anzahl an Vergehen. Alternativ könnte man auch die Anzahl an Müllsäcken oder überhaupt die Masse an Abfall aufzeichnen. Lässt man sich seine Büromaterialien liefern, kann man auch die Masse an eingesetzten Materialien aufzeichnen, da auf dem Lieferschein in der Regel die gelieferte Masse angegeben ist.


Wesentlich einfacher dürftet ihr euch wieder mit dem Energiebedarf für die Heizung eurer Büroräume tun. Im besten Fall kennt ihr den Energieausweis eurer Büroräumlichkeiten und könnt somit auch den Energiebedarf für die Heizung der Räumlichkeiten abschätzen und aufzeichnen.


Der letzte Punkt, den ich hier anführen möchte, ist das Thema Verkehr. Gerade die Wege, die ihr mit motorisiertem Individualverkehr zurücklegt, könnt ihr ziemlich einfach anhand eines Fahrtenbuches und dem dazugehörigen Spritverbrauch messen. Wenn ihr noch die Treibhausgasemissionen dazunehmen wollt, dann könnt ihr euch ganz einfach ein bisschen Chemie zur Hilfe nehmen. Ein Liter Benzin verbrennt bei einer vollständigen Verbrennung zu 2,33 kg CO2 pro Liter und Diesel erzeugt pro Liter 2,64 Kilogramm CO2.

Wie das ganze aussehen kann, habe ich euch mal aus dem Bericht von Sonnentor rauskopiert.

(https://www.ecogood.org/media/filer_public/14/eb/14eba29d-3159-46d5-b988-00b3715f291c/gemeinwohlbericht_2019_sonnentor.pdf )












Mich würde interessieren, ob jemand von euch Protokoll über seinen oder ihren Environmental Impact führt, wie ihr selbst in eurem Startup oder Unternehmen einen Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise leisten wollt und ob sich bei euch schon irgendetwas bewährt hat.